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Der Meister und der Anzug

Ein kurzer Faltenwurf über Präsenz und Eitelkeit

Er hatte beschlossen,
zum Gespräch mit der Geschäftsführung
geschäftliche Kleidung zu tragen.
Nicht aus Angst, sondern aus Haltung.
Der Anzug, fand er,
dürfe heute mal für die Präsenz sprechen,
während die innere Klarheit
sich schweigend dazusetzen würde.

Seine Liebste lachte.
Kein böses Lachen,
eher das kleine, unwillkürliche, das einem entweicht,
wenn man den anderen
in einer Sekunde zu durchschauen glaubt.

Der Meister war beleidigt.
Nicht sofort, sondern mit leichter Verzögerung –
die Art von Beleidigtsein,
die sich noch kurz in der Garderobe entschuldigt,
bevor sie den Raum betritt.

Er murmelte etwas von formalem Respekt,
und sie nickte schon abwesend,
längst in anderen Gedanken.
Doch in ihm arbeitete es weiter:
ein leiser Stich, der nur entstehen kann,
wenn man an einer Wahrheit vorbeistolpert,
die einen bereits erkannt hat.

Später,
als sie längst wieder im Alltag angekommen war,
saß er noch mit der Nachglut der Szene da und dachte:
Eigentlich müsste ich ihr dankbar sein.
Aber er sagte es nicht.

Sie hatte den Spiegel schon weggelegt,
während er noch prüfte,
ob der Anzug wirklich passte.

Gedanke am Kleiderhaken:
Manchmal trägt der Meister den Anzug,
und manchmal trägt der Anzug den Meister –
aber gelacht wird immer im richtigen Moment.