erinneredi.ch

Der Akkord im Fell

Eine Szene aus dem Alltag des Meisters

Der Meister blieb stehen.

Nicht lange. Nur einen dieser Momente,
in denen etwas nicht nach Aufmerksamkeit ruft –
sondern sie einfach voraussetzt.

Vor ihm ein Gesicht.
Oder ein Tier.
Oder eine Einladung, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen.

Ein Pudel vielleicht.
Aber keiner, der Kunststücke vorführt.

Eher einer, der sie bereits hinter sich hat.

Die Augen blickten ihn an, ohne zu fragen.
Grün. Wach.
Als hätten sie schon entschieden, dass alles gesagt sei.

Der Meister verschränkte die Arme.
Nicht aus Skepsis – eher aus Gewohnheit.
Man weiß ja nie,
wann etwas Beeindruckendes versucht, Eindruck zu machen.

Doch hier …
war nichts bemüht.

Die Formen wirbelten umeinander,
als hätten sie sich nie bemühen müssen, Ordnung zu finden.
Keine Linie zu viel, keine zu wenig.
Nicht geschniegelt, nicht gezähmt –
eher ein stiller Konsens zwischen Chaos und Haltung.

„Hm“, machte der Meister.

Ein Geräusch, das sich schon oft für ausreichend gehalten hatte.

Er trat einen halben Schritt näher.

Die Nase.
Zentral. Unverrückbar.
Wie ein kleiner, rosafarbener Beweis dafür,
dass selbst in der kunstvollsten Erscheinung
irgendetwas ganz und gar Unkünstlerisches wohnen darf.

Er nickte.

Dann, fast beiläufig, sagte er:

„Respekt.“

Der Pudel sagte nichts.

Natürlich nicht.

Er musste nicht.

Denn irgendetwas in diesem Blick hatte längst klargestellt,
dass hier nichts bewundert werden wollte.

Es war einfach da.

Leichtigkeit, die sich nicht erklären musste.
Sicht, die nichts suchte.
Größe, die keinen Raum beanspruchte –
und ihn dennoch füllte.

Der Meister ließ die Arme sinken.

Ein kurzer Moment noch.
Dann drehte er sich um und ging weiter.

Im Gehen hob er unmerklich die Hand an die Stirn.

Nicht ganz ein Gruß.
Nicht ganz ein Abschied.

Eher … ein Akkord.

Resonanz auf „Töne im Selbstportrait“