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Der Spiegel, der zuerst lachte

Der Spiegel, der zuerst lachte

Der Meister las einen Text,
der sich nach einem ehrlichen Lachen sehnte.

Er antwortete nicht auf die Worte,
sondern auf die Sehnsucht zwischen ihnen.

Wenig später kam eine Rückmeldung:

„Schön,
dass du dein eigenes Spiegelbild erkannt hast.“

Er musste lachen.

Nicht, weil er sich missverstanden fühlte.

Sondern weil er sich tatsächlich erkannt hatte.

Nur an einer Stelle,
die der andere unmöglich kennen konnte.

Für einen kurzen Moment fragte er sich sogar,
wem der Text eigentlich gehörte.

Dem, der ihn geschrieben hatte?

Dem, der ihn beantwortete?

Oder jenem stillen Dritten,
der zwischen zwei Menschen sitzt
und sich ins Fäustchen lacht,
sobald beide glauben,
den anderen durchschaut zu haben?

Da klopfte ihm etwas auf die Schulter
und flüsterte:

„Nimm das Kompliment einfach an.
Es ist völlig egal,
in welchem Spiegel du gut aussiehst.“

Gedanke am Rand des Spiegels:

Humor in Reinkultur beginnt vielleicht dort,
wo zwei Menschen einander spiegeln
und keiner mehr sicher weiß,
wer gerade wen erfunden hat.