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Die Weisheitsblase

Eine Morgendiagnose mit Resthumor

Der Meister erwachte früh.
Der Kaffee duftete, die Sonne stieg über die Fensterbank,
und auf dem Bildschirm glitzerten
die täglichen Offenbarungen der Erleuchteten.
Worte wie funkelnde Steine,
poliert von tausend Likes.

Er scrollte.
Er nickte.
Er gähnte.

„Sie wissen alles“, murmelte er, „und doch lacht keiner.“
Ein Seufzer glitt aus ihm wie Luft aus einem alten Ballon.

Der Eitle in seinem Nacken streckte sich und flüsterte:
„Wir könnten sie alle entfolgen.
Ein Akt der digitalen Reinheit.
Eine Pilgerreise ins Unwissende.“

Der Meister lächelte matt. „Oder wir könnten einfach lachen.“
„Worüber?“ fragte der Eitle, irritiert.
„Über uns“, sagte der Meister,
„über die, die glauben, sie wären schon drüben,
und über die, die glauben, sie müssten noch rüber.“

Er tippte mit dem Finger auf den Bildschirm.
Eine der großen Weisheitsblasen platzte leise,
und ein winziger Regenbogenfilm
blieb an seiner Fingerspitze hängen.

Darin sah er den Eitlen und sich selbst,
beide gleich durchsichtig, beide schillernd,
beide flüchtig schön.

Der Eitle verneigte sich.
„Das war nicht Überheblichkeit“, flüsterte er.
„Das war nur Müdigkeit ohne Pointe.“
Der Meister nickte und trank seinen Kaffee aus.

Gedanke am Bildschirmrand:
Manche Blasen platzen, weil sie leer sind.
Andere, weil jemand endlich lacht.