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Federn im Überfluss

Zwei Szenen aus dem Alltag des Meisters

Am Vormittag
eröffnet eine Ladenbesitzerin ihr neues Geschäft.
Sie verkauft Schätze aus Haushaltsauflösungen – Dinge,
die mehr erlebt haben, als sie jetzt zu sagen bereit sind.
Ein Kronleuchter mit Lampenschirmallüren,
eine Kommode mit einem leichten Schubladentrauma.
Alles fein geordnet, als wollten die Möbel beweisen,
dass Wiedergeburt auch mit Preisschild funktioniert.

Die Chefin strahlt – aber eher pflichtbewusst.
Ich sage, der Laden sei schön geworden.
Sie nickt: „Ja, aber es war nicht einfach.“
Ich sehe die Familie, die ihr hilft,
freundliche Menschen mit der Aura von Dauerstress.
Und da flüstert es in mir:
„Der Mangel kann jederzeit wiederkommen.“
Ich erkenne den alten Begleiter –
er trägt jetzt Brille und Klemmbrett –
und ich beschließe, ihn einfach mitschauen zu lassen.

Später auf dem Wochenmarkt.
Fischduft, Stimmen, Weißwein, Leben.
Dann ein Schrei. Ein Terrier hat eine Taube erwischt.
Sie flattert, er hält fest, der Besitzer ruft, zieht, verzweifelt.
Die Szene zieht das Lächeln aus der Sonne.
Manche wenden sich ab, andere starren.
Niemand weiß, was man in so einem Moment sagen darf,
wenn das Leben selbst gerade seine Hierarchie erklärt.

Ich denke an die Frau, an die Lampen, an die Schubladen.
Vielleicht haben wir alle Angst,
dass das Leben uns eines Tages loslässt –
und wir dann zwischen Fischduft
und moralischer Betroffenheit
doch nur noch Zuschauer sind.

Gedanke am Rand des Marktes:
Mangel ist ein Hund mit schlechtem Benehmen.
Aber wer ihm nicht ständig Leckerli der Sorge hinwirft,
stellt irgendwann fest –
er kann eigentlich ganz brav an der Leine gehen.