Fördermittel und feine Regungen – ein öffentlicher Auftritt mit innerer Aufsicht
Eine Szene aus dem Alltag des Meisters
Der Mann vom Amt betrat den Raum in neutralem Blau,
begleitet von zwei Kollegen, die das Gespräch führen sollten.
Ein Routineeinsatz.
Fördermittel, Personalentwicklung, Zahlenwerk.
Er war nur die Vertretung,
das hatte er sich vorab schon
wie eine Karte auf die Stirn geschrieben.
Es machte ihn leicht – und frei.
Der Tisch war breit, der Ton höflich.
Während die anderen sich in Förderkriterien
und Projektfristen verstrickten,
öffnete sich in ihm ein kleiner Resonanzraum.
Einer, den er kannte.
Und der heute nicht überlaufen war.
Er warf ein paar Spritzer Humor ins Gespräch –
keine Pointe, kein Programm.
Nur kleine Verdunstungen von Geist.
Die anderen lächelten.
Nicht übertrieben. Nur echt.
Und da war sie:
Die Eitelkeit.
Sie saß neben ihm
wie eine diskret gekleidete Beisitzerin mit Monokel,
den Koffer auf den Knien, aufmerksam, aber still.
Sie hatte keinen Auftritt verlangt,
sie hatte ihn beobachtet.
Und nickte anerkennend,
als er einen leicht ironischen Halbsatz einwarf,
der das Gespräch für einen Moment erdete.
Ein weiteres Wunder geschah:
Die emotionale Autorität –
sonst eher mit Verspätung anwesend –
hatte sich heute nicht verspätet.
Sie saß nicht mit verschränkten Armen
im Wartezimmer der Nachreflexion,
sondern war mitten im Raum.
Sie führte – unauffällig, aber spürbar.
Und er selbst?
Er war da. Nicht im Zentrum, nicht im Schatten.
Ein Mitspieler, der seine Rolle nicht spielte,
sondern durch sich hindurch ließ.
Der Mann vom Amt mit dem Geldkoffer –
und einem still vibrierenden Tonfall,
der keine Formulierung suchte,
sondern ein Feld hielt.
Und plötzlich wurde sichtbar:
Auch die anderen
hatten ihre kleinen Eitelkeiten mitgebracht.
Sie saßen auf den Aktendeckeln,
in den Kaffeetassen,
im wohlwollenden Ton.
Ein feines Zunicken ging durch die Runde,
als sich alle einig waren:
Sie würden die Welt
ein kleines bisschen besser machen,
wenn sie dafür sorgten,
dass behinderte Zeitgenossen
ihren Platz im Arbeitsleben fänden.
Es war ein Moment geteilter Ernsthaftigkeit –
aber auch ein stilles Vergnügen:
Jede Eitelkeit sah die anderen und sagte:
„Na bitte,
wir dürfen uns ruhig auch mal im Guten gefallen.“
Am Ende verließ er den Raum ohne Applaus.
Aber mit einem leichten Gefühl von:
„So darf’s sein.“
Und die kleine Eitelkeit?
Sie streichelte sich selbst
das Monokel trocken und sagte leise:
„Wir hätten es auch übertreiben können –
aber wir haben Maß gehalten.
Ich bin stolz auf dich.“