Gitarrenpsycho und Geburtstagsluft
Eine Szene aus dem Alltag des Meisters
Die Tanzfläche war ein Biotop aus Neon, Leder und wild zuckenden Beinen.
Aus den Boxen prügelte der Gitarren-Psycho der 80er,
als hätte ein Reißwolf Gitarre gelernt und sei auf Dauerschleife gegangen.
Wir hatten uns fröhliche Pop-Melodien erhofft,
aber das Universum hatte entschieden,
dass unsere Hüften sich heute an rauem Gitarrensalat reiben sollten.
Der DJ – ein Mann mit dem stoischen Blick eines Beamten im Endstadium seiner Laufbahn – erklärte mir auf die Frage nach einem Geburtstagslied um Punkt Mitternacht für unsere Tochter, er sei „außerstande, das umzusetzen“.
Wahrscheinlich stand es nicht auf seiner Liste genehmigter Gefühlsäußerungen.
An der Bar versuchte ich es mit einem Wasser,
das nicht aus dem Kühlschrank kommt.
Die Barkeeperin lächelte milde und erklärte, sie habe nur kalte Getränke,
und außerdem sei es ja so warm, dass das Wasser ‚eh gleich wieder warm‘ werde.
Ein Argument, so kugelrund, dass selbst Aristoteles kurz ins Schwitzen geraten wäre.
Und dann kam sie. Unsere strahlende Geburtstagskind-Königin, die auf der Tanzfläche drei Mal laut und deutlich wünschte, wir mögen sie hoch leben lassen.
Also ließ sie sich in die verschränkten Arme der Geburtstagsgäste gleiten
und wir warfen sie hoch. Dreimal.
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Einmal für das neue Lebensjahr.
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Einmal für die trotzige Freude im Gitarrenlärm.
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Und einmal für das Wissen, dass Selbstermächtigung auf der Tanzfläche beginnt – und manchmal genau dort bleibt.
Gedanke im Rückspiegel:
Man kann nicht immer die Musik wählen, aber man kann entscheiden, ob man tanzt.