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Wenn der Therapeut den Text vergisst

Ein Auftritt für zwei innere Rollen

Der Therapeut betritt die Bühne.
Er hat gelesen. Gehört. Gedeutet.
Harald hat ihm Mut gemacht,
der Gießkanne nochmal freien Lauf zu lassen.

Und also erklärt er dem Rübchen seine Herkunft.
Der Erde ihr Trauma.
Dem Gärtner seine Verstrickung.

Er spricht.
Er spricht lang.
Und dann:
Stille.

Kein Text mehr.

Da tritt aus dem Halbdunkel der Zeuge hervor.
Er trägt nichts. Keine Mappe, keine Diagnose.
Nur ein sanftes Lächeln.
Und eine Tasse Tee.

Er stellt sie dem Therapeuten hin.
Sagt nichts.
Und beide setzen sich.

Im Lichtkegel der Bühne
– ein Rübchen.
Noch immer da.
Aber niemand will es mehr ziehen.

Nur anschauen.
Und vielleicht – wenn niemand hinschaut –
leise kichern.


Gedanke am Vorhang:
Wenn der Text versiegt, spricht das Stück manchmal zum ersten Mal wahrhaftig.