Zahnpasta und andere Prüfungen
Eine Szene aus dem Alltag des Meisters
Ein gewöhnlicher Dienstagmorgen.
Der Meister erinnert sich wieder daran, dass er einer ist.
Nicht weil ihm ein Engel erscheint,
sondern weil er um 6:45 Uhr den Spiegel putzt und dabei kurz lächelt.
„Ich bin“, denkt er. Und spuckt.
Leises Rumpeln.
Seine Liebste sucht etwas im Badezimmerschrank.
„Hast du wieder die Schlemmkreide genommen?“ fragt sie.
Nicht vorwurfsvoll. Nicht liebevoll. Einfach … existierend.
Er friert kurz ein.
Nicht wegen der Kreide.
Sondern weil sein Brustkorb plötzlich wie ein Hangar wirkt –
leer, metallisch, nicht offen.
Es ist nicht sie.
Es ist dieser winzige Moment, in dem Nähe alt und schwer riecht, nicht frisch.
Er hätte jetzt viele Möglichkeiten:
– Einen Vortrag über Zahnpastahierarchien in 5D.
– Ihr erklären, dass ihre Frage nur seine Prozesse triggert.
Oder … einfach sagen, was ist.
„Ja. Ich hab sie genommen.
Und gerade merke ich, dass ich mich lieber mit Bewusstseinsfeldern beschäftige
als mit der Frage, warum mir das so schwerfällt.
Ich will offener sein – und bin’s grad nicht. Tut mir leid.“
Sie schaut kurz hoch. Nickt.
Nicht als Vergebung, sondern als Anerkennung.
Er spürt sein Herz.
Nicht wegen ihr, nicht wegen der Erkenntnis.
Sondern weil Nähe manchmal die größere Prüfung ist
als jede kosmische Offenbarung.
Er grinst, schaut in den Spiegel – und sieht … sich.