Urlaub auf Knopfdruck
Eine Szene aus dem Alltag des Meisters
Der Meister trat aus der Haustür, noch leicht verschlafen,
mit einem Rest Büro im Blick.
Da lief ihm Bahran entgegen,
Gastronom und Antennenbesitzer erster Güte.
„Wie geht’s dir?“, fragte er –
und sah die Antwort schon in seinen Augen.
Einen Wimpernschlag lang dachte der Meister: Erwischt.
So schnell kann man also
die Stimmung aus dem Gesicht lesen wie das Tagesmenü.
Dann kicherte etwas in ihm:
Und wenn ich jetzt einfach Urlaub mache? –
als hätte er den Schalter für seine innere Anzeige neu beschriftet.
„Ich habe frei“, sagte er.
Und plötzlich duftete der Morgen nach Cappuccino
statt nach Dienstbesprechung.
Bahran nickte, plauderte, schmunzelte.
Vielleicht wunderte er sich über die Verwandlung:
eben noch Job-Stimmung, jetzt Ferienbrise.
Vielleicht zweifelte er für den Rest des Tages
an seiner Menschenkenntnis. Vielleicht aber auch nicht –
vielleicht war er einfach froh,
dass ein Gast schon vor dem Frühstück Urlaub konnte.
So gingen sie auseinander:
der eine in den Arbeitstag, der andere in den Urlaub auf Knopfdruck.
Beide mit einem Lächeln, das ein bisschen länger hielt
als der Espresso im Restaurant zwei Etagen tiefer.
Nachsatz:
Gedanke am Straßenrand: Vielleicht ist der wahre Luxus nicht der Urlaub –
sondern zu wissen, dass man ihn mit einem Wimpernschlag einschalten kann.