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Der Friedensprüfer

Eine Szene aus dem Alltag des Meisters

Der Meister nahm an einer Friedensveranstaltung teil.

Es wurde gesungen.
Es wurde getanzt.
Es wurde von Mitgefühl gesprochen.
Und weil es eine Friedensveranstaltung war,
wurde selbstverständlich
auch ein wenig von Frieden gesprochen.

Der Meister hörte aufmerksam zu.

Ein älterer Musiker
spielte Lieder aus einer anderen Zeit.
Er spielte sie mit einer Hingabe,
als hätte er sie eben erst entdeckt.

Der Meister beobachtete ihn und dachte:

„Wie amüsant.“

Wenig später erschrak er über sich selbst.

Denn amüsant war das falsche Wort.

Was er meinte, war:

„Wie rührend.“

Er notierte sich diesen Unterschied innerlich
und beschloss, später nachzusehen,
wer das Wort amüsant
in seinen Gedanken abgelegt hatte.

Die Untersuchung
führte zu einem bekannten Verdächtigen.

Der Eitle verweigerte die Aussage.

Später sprach jemand über Frieden.

Da dachte der Meister:

„Vielleicht sollte man erst
den Frieden in sich selbst finden,
bevor man ihn in die Welt tragen will.“

Der Satz gefiel ihm.

Er klang vernünftig.

Reif.

Fast schon weise.

Leider bemerkte er kurz darauf,
dass diese Regel
auch für ihn selbst gelten müsste.

Der Satz verlor dadurch erheblich an Glanz.

Der Eitle beantragte umgehend Berufung.

Sie wurde abgelehnt.

Als die Abschlussrunde begann,
suchte der Meister lange nach etwas Klugem,
Wahrem oder wenigstens
Friedensförderndem.

Nichts davon erschien.

Schließlich blieb
nur ein schlichter Gedanke übrig:

„Ich freue mich darüber,
dass wir uns alle die Zeit genommen haben,
hier zwei Stunden zusammenzukommen.“

Der Meister sagte nichts.

Aber zum ersten Mal an diesem Abend
hatte er das Gefühl, etwas gefunden zu haben,
das weder größer
noch kleiner war als die Wirklichkeit.


Gedanke am Rand des Friedenskreises:
Manchmal trägt der Eitle kein Schwert und keine Krone. Manchmal erscheint er als Friedensprüfer und verlangt von allen dieselbe Vollkommenheit, die er selbst seit Jahren erfolgreich verfehlt. 😇