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Das Rübchen und der sanfte Meisterzug

Eine Szene aus dem Alltag des Meisters

An einem gewöhnlich zauberhaften Vormittag
betrete ich den Kindergarten als bloßer Zuschauer.
Ich komme mit meinen zwei Händen und zwei Augen –
und verlasse den Raum später mit einem erweiterten Herzen.

Das „Rübchen-Theater“ ist bereit.
Die Bühne: ein liebevoll chaotisches Arrangement
aus Pappkarton, Filz, und einer Karotte,
die eher aussieht wie ein orangefarbenes Orakel.

Der Großvater betritt die Szene
mit schauspielerischer Gravitas –
alterslos und im Trainingsanzug.
„1 – 2 – 3!“ ruft er, zieht mit komisch ernstem Blick …
doch nichts. Die Karotte rührt sich nicht.

Großmutter eilt herbei. Gemeinsam ziehen sie.
„1 – 2 – 3!“
Wieder nichts, außer
einer wachsend dramatischen Unruhe im Publikum.

Es folgen der Enkel,
eine Katze mit wolliger Anmut,
ein Hund mit aufgeklebten Schlappohren.
Alle stemmen sich ins Rübchen-Schicksal.

Und dann – ganz am Ende – ein Schmetterling.
Ein Kind mit flatternden Armen und zartem Stolz.
Ein letzter, kollektiver Atemzug.

„1 – 2 – 3!“
Plumps. Die Bagage fällt. Die Karotte lacht.

Und ich, ein Zuschauer unter vielen,
erlebe das Geschehen plötzlich
aus einer anderen Perspektive –
nicht als Erwachsener, der zusieht,
sondern als Kind, das mittendrin ist.

Ich bin der Schmetterling. Die Katze. Die Wurzel.
Ich bin der, der hilft. Der, der fällt. Der, der lacht.

Und ich spüre: Dies war kein Stück.
Es war eine Erinnerung, die neu geschrieben wurde –
in kindlichen Bewegungen und
mit der stillen Kraft eines kollektiven Ziehens.