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Der Meister und die unerledigten Hausaufgaben

Eine Szene aus dem Alltag des Meisters

Der Meister saß am Küchentisch.

Vor ihm: Ein Blatt Papier.

Neben ihm: Eine Tasse, die ihn ansah, als wüsste sie mehr.

Er tippte mit dem Stift auf den Tisch.

Nicht aus Ungeduld.

Eher wie jemand, der prüft, ob der Boden schon Musik macht.

„Also gut“, sagte er leise.

„Dann machen wir das jetzt ordentlich.“

Er schrieb die ersten Worte.

Blieb stehen.

Strich sie durch.

Nicht, weil sie falsch waren.

Sondern weil sie nach Pflicht klangen.

Der Meister lehnte sich zurück.

Schloss die Augen.

Und hörte.

Nicht auf Gedanken.

Nicht auf Argumente.

Auf etwas, das darunter lag.

Ein leises Pulsieren.

Ein Rhythmus, der nicht fragte, ob er bereit sei.

Er nickte kaum sichtbar.

„Ah“, sagte er.

„Du bist schon da.“

Der Stift setzte erneut an.

Diesmal schrieb er nicht vorsichtig.

Nicht korrekt.

Nicht strategisch.

Er schrieb, als würde jemand mit ihm sprechen,

der keinerlei Interesse daran hatte, überzeugt zu werden.

Zwischendurch lachte er.

Einmal sogar laut.

„Freistellung …“ murmelte er,

„klingt ja fast wie Urlaub mit Formularpflicht.“

Er hielt inne.

Spürte nach.

Der Satz blieb stehen.

Nicht perfekt.

Aber lebendig.

Draußen fuhr ein Auto vorbei.

Ein Hund bellte.

Die Welt erledigte weiterhin ihre Hausaufgaben.

Der Meister schrieb weiter.

Nicht, um fertig zu werden.

Sondern um im Takt zu bleiben.

Als er den letzten Punkt setzte,

legte er den Stift hin,

als hätte er gerade nichts entschieden

und gleichzeitig alles.

Er sah die Tasse an.

„Na?“ fragte er.

Die Tasse schwieg.

Aber ihr Schweigen hatte etwas Zustimmendes.

Der Meister stand auf,

nahm das Blatt,

und ging zur Tür.

Kein Triumph.

Keine Erleichterung.

Nur ein leiser Gedanke,

der sich wie ein Basslauf durch seinen Körper zog:

Manchmal sind Hausaufgaben nur der Ort,

an dem der Groove überprüft,

ob er auch unter Neonlicht funktioniert.

Gedanke am Küchentisch:

Wer auf den perfekten Moment wartet,
hat oft nur verpasst,
dass der Rhythmus längst begonnen hat.




… Fortsetzung. Leider ohne Genehmigungsvermerk.


D e r E i t l e b e t r i t t d e n R a u m

Der Meister saß noch immer am Küchentisch.

Das Blatt lag vor ihm, still und zufrieden mit sich selbst.

Die Tasse ebenfalls.

Es war einer dieser Momente,

in denen nichts mehr verbessert werden wollte.

Die Luft war weich geworden.

Sogar der Stift hatte aufgehört, Bedeutung zu suchen.

Da ging die Tür auf.

Nicht laut.

Eher so, als hätte sie sich selbst daran erinnert,

dass sie auch eine Funktion hat.

Ein Mann trat ein.

Gut gekleidet.

Ein wenig zu gut.

Als hätte er sich für ein Gespräch angezogen,

das längst vorbei war.

Er blieb stehen, sah sich um,

und nickte langsam.

„Hm“, sagte er.

Der Meister drehte sich nicht um.

Er wusste, wer es war.

„Du warst weg“, sagte er ruhig.

„Ich war essen“, antwortete der Mann.

„Man muss ja bei Kräften bleiben.“

Er trat näher, nahm das Blatt in die Hand,

als hätte es auf ihn gewartet.

Er las.

Einmal.

Zweimal.

Sein Gesicht blieb neutral.

Zu neutral.

„Sehr schön“, sagte er schließlich.

„Wirklich sehr schön.“

Der Meister schwieg.

Der Mann setzte sich.

Zog unsichtbare Linien in die Luft.

„Allerdings“, fuhr er fort,

„könnte man im zweiten Abschnitt noch etwas schärfen.

Der Rhythmus ist gut, aber nicht konsequent gehalten.

Und dieser Satz hier …“

Er tippte auf eine Stelle,

die sich nicht verteidigte.

„… der ist gefährlich.“

Der Meister hob leicht eine Augenbraue.

„Gefährlich?“

„Ja“, sagte der Mann.

„Zu lebendig.“

Stille.

Der Satz blieb im Raum stehen

wie ein Tier, das nicht weiß,

ob es gefüttert oder gezähmt werden soll.

Der Meister nahm das Blatt zurück.

Legte es vor sich hin.

„Und was würdest du tun?“ fragte er.

Der Mann lächelte.

Jetzt ein wenig wärmer.

„Ich würde es sichern“, sagte er.

„Ein bisschen klarer machen.

Ein bisschen … verständlicher.“

Der Meister nickte langsam.

Nicht zustimmend.

Eher anerkennend.

„Du willst es retten.“

Der Mann zuckte mit den Schultern.

„Ich will, dass es bleibt.“

Der Meister sah ihn jetzt an.

Zum ersten Mal.

„Es bleibt nicht, wenn du es festhältst.“

Der Mann schwieg.

Die Tasse auch.

Draußen fuhr wieder ein Auto vorbei,

als hätte es nichts mit alledem zu tun.

Nach einer Weile stand der Mann auf.

Legte das Blatt vorsichtig zurück.

Nicht verändert.

„Ich bleibe in der Nähe“, sagte er.

„Ich weiß“, antwortete der Meister.

Die Tür ging wieder zu.

Nicht leise.

Aber auch nicht störend.

Der Meister nahm den Stift.

Drehte ihn zwischen den Fingern.

Und schrieb nichts mehr.

Gedanke am Rand der Kantine:

Der Eitle will bewahren, was lebendig ist.

Der Meister weiß, dass es genau daran stirbt.