Die Klinke hinter dem Gitter
Eine Szene aus dem Alltag des Meisters
Nach mehreren Wochen auf La Palma
holte der Meister
sein altes Cabrio aus der Tiefgarage,
in der seit Jahren
derselbe Stellplatz auf ihn wartete.
Er öffnete das Tor,
fuhr hinaus
und stellte den Wagen
für einen Augenblick direkt daneben ab.
Dann bemerkte er den Garagenschlüssel.
Er steckte noch innen im Schloss.
Zusammen mit dem Zugangsschlüssel.
Das Tor schloss sich.
Der Meister blieb draußen.
Er setzte sich ins Auto
und wartete darauf,
dass jemand die Tiefgarage betreten
oder verlassen würde.
Währenddessen
betrachtete er die Menschen,
die an der Wohnanlage vorbeigingen.
Unmerklich
prüfte sein Geist Möglichkeiten.
Eher nicht.
Der vermutlich auch nicht.
Die vielleicht … nein.
Da fiel sein Blick auf einen Jungen,
der ihm kurz zuvor aufgefallen war.
Aus den Tiefen seiner Nebenhöhlen
hatte dieser etwas hervorgefördert
und mit erstaunlicher Entschlossenheit
auf den Gehweg befördert.
Nun stand er gelangweilt in der Nähe.
Aus irgendeinem Grund
traute der Meister
ausgerechnet diesem Jungen zu,
eher eine Lösung zu kennen
als sich um eine Vorschrift zu sorgen.
Er stieg aus.
„Weißt du,
wie man ohne Schlüssel
in die Tiefgarage kommt?“
Der Junge nickte sofort.
Er führte ihn zum Einfahrtstor
und zeigte auf das Gitter.
„Einfach da durchgreifen.
Innen ist die Klinke.“
Der Meister griff hindurch.
Klick.
Die Tür war offen.
Er bedankte sich erleichtert.
Erst dann fragte der Junge:
„Warum wolltest du eigentlich da rein?“
Der Meister erzählte ihm
von den vergessenen Schlüsseln.
Der Junge nickte noch einmal,
als wäre damit alles gesagt.
Während der Meister
seine Schlüssel aus dem Schloss zog,
musste er lächeln.
Seit Jahren
mietete er dort einen Stellplatz.
Der Junge
kannte trotzdem den besseren Eingang.
Gedanke am Garagentor:
Manchmal besitzt man den Schlüssel –
und braucht trotzdem jemanden,
der weiß, wo die Klinke ist.